Die Natur in Kaarz

Lage und Klima

Kaarz und das Waldgebiet "Kaarzer Holz" liegen eingebettet in eine einzigartige Endmoränenlandschaft mit zahllosen kleinen und großen Seen in einem nach Osten offenen Bogen des die Landschaft prägenden Flusses Warnow.
Das kompakte und wenig zerschnittene Waldgebiet gehört wie weite Teile des Naturparkes Sternberger Seenlandschaft zum Wuchsgebiet "Westmecklenburger Jungmoränenland" und ist hauptsächlich dem Wuchsbezirk "Schwinzer Sandhochfläche" zugeordnet.
Klimatisch dem stärker maritim beeinflußten Mecklenburger Klima zugeordnet, werden die Klimaverhältnisse annähernd durch die folgenden Klimadaten beschrieben:

Mittl. jährl. Niederschlag 570mm
Mittl. jährl. Niederschlag i. d. forstl. Vegetationszeit 296mm
Mittl. Jahrestemperatur 8,0°C
Mittl. Jahrestemperatur im Monat Juli 16,8°C

Geologie und Relief

Die Jungmoränenlandschaft wurde durch spätpleistozäne Aufschüttungen sowie nachfolgende Erosions- und Sedimentationsvorgänge geschaffen. Im pommerschen Stadium der Weichsel-Kaltzeit entstand eine reliefbewegte Stauchendmoräne, an die sich die wellige, mit Mulden durchsetzte Sanderwurzel und die ebene Sanderfläche anschließen. Im Holozän bildeten sich v. a. die Moorböden und Senken.
Die im Kaarzer Holz von Südwesten nach Nordosten streichende Endmoräne erreicht nordöstlich des grünen Seeberg (fast 70m) mit 72,8m über N.N. den höchsten Punkt. Die mit etwa 30m ü. N.N. niedrigste Geländehöhe liegt nicht weit entfernt davon an der nordwestlichen Reviergrenze. Das durch Kuppen, Rücken, Rinnen und Mulden bewegte Relief enthält Steillagen wie zum Beispiel den sogenannten Höllenschlund.
Außerhalb der Endmoräne liegt das Gelände meist 45 bis 55m über N.N. und fällt in vermoorten Senken auf etwa 40 Höhenmeter ab. Diese Niedermoore wie z. B. die Hasenwisch oder der Rappensee wurden und werden z. T. noch heute als ökologisch wertvolle Naßwiesen extensiv genutzt. Es gibt aber auch sehr nasse, hochmoorähnliche und damit ebenfalls ökologisch sehr bedeutende Vegetationskomplexe wie z. B. das Tannenmoor.

jüngere Waldgeschichte

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war das Gebiet des heutigen Kaarzer Holzes fast völlig entwaldet. Deshalb sind alte Waldböden kaum vorhanden. Ursache waren ungeregelte Holznutzungen mit anschließender landwirtschaftlicher Nutzung der Flächen. Alte Karten belegen, daß bereits im Hochmittelalter der größte Teil des Waldes gerodet oder verwüstet war.

In den folgenden einhundert Jahren erfolgten großflächige Aufforstungen. Es wurde überwiegend mit der Pionierbaumart Kiefer aufgeforstet und damit quasi eine natürliche Wiederbewaldung simuliert, wobei Fichtenbeimischungen für die späteren hohen Holzvorräte sorgten.
Maßgebliche Verdienste bei der Wiederbewaldung hatten ab 1872 der damals neue Gutsbesitzer Julius Hüniken aus Kaarz und sein Gutsförster Hagge.
Julius Hüniken war seit Mitte der 70er Jahre Mitglied des "Vereins Mecklenburgischer Forstwirte". Von seinem dendrologischen Interesse zeugen heute noch die zahlreichen seltenen Baumarten im Schloßpark von Kaarz.
Sein Sohn Erwin Hüniken studierte in Gelbensande und Berlin Forstwirtschaft und bewirtschaftete seine mittlerweile zu Waldgütern gewordenen Besitzungen in Kaarz, Kölpin und Weitendorf selbst.
Seit 1919 war Hüniken außerdem Leiter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer bzw. später der Landesbauernschaft. Sein Sohn - ebenfalls mit dem Namen Erwin Hüniken - wurde auch Forstmann.
An der ersten Weggabel des Kölpiner Weges von Kaarz kommend steht aus jener Zeit noch ein Gedenkstein mit der Inschrift "Den Wald pflege - Das Wild hege - Den Schöpfer ehre - 1907".
Auf den heute zum Revier Kaarz gehörenden Flächen der Gemarkung Sternberg haben sich der Stadtförster von Sternberg F. Dettmann (Dienstzeit 1893 - 1928) und der Senator W. Leopoldi (Dienstzeit 1897 - 1932) große Verdienste um den Wald erworben. Ihnen zur Ehre wurde vermutlich am Ende ihrer Dienstzeit in der Abt. 401 an der sogenannten Dettmannschneise ein Gedenkstein gesetzt, der noch heute dort steht und ebenfalls vom Revierförster und der Waldjugend gepflegt wird.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden nach den durchgeführten Bodenreformen die Waldflächen ab 1952 durch den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Schwerin bewirtschaftet.
Im Zeitraum 1972 - 1974 sind die Flächen des Waldgegietes Kaarzer Holz in die Rechtsträgerschaft des Ministeriums für Nationale Verteidigung übergegangen. Seit dieser Zeit unterliegt die Liegenschaft Kaarzer Holz militärischen Zweckbindungen. Die Bewirtschaftung erfolgte nunmehr durch die Oberförsterei Dabel des Militärforstbetriebes Lübtheen. Die militärische Nutzung erfolgte seitens der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR für Gelände- und Schießausbildung.

Seit der Übernahme der Waldflächen durch den Bund und Weiternutzung durch die Bundeswehr nach der politischen Wende und Wiedervereinigung Deutschlands 1990 werden die Waldflächen durch BUNDESFORST nach naturnahen Waldbaumethoden bewirtschaftet. Kahlschläge und großflächige Räumungen finden nicht mehr statt.
Laubbaumarten werden in stärkerem Maße natürlich verjüngt. Angestrebt werden vielfältige und stabile Mischwälder mit dauerwaldartigen Strukturen, in denen die Rotbuche als Hauptbaumart der natürlichen Waldgesellschaft eine bedeutende Rolle spielen wird.
Dieses ehrgeizige Ziel setzt u. a. an den Lebensraum angepaßte Wildbestände voraus! Die Jagdmethoden sind deshalb störungsarm, effizient und an wildbiologischen, waldbaulichen und wirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet.
Die Belange des Naturschutzes werden bei der forstlichen Bewirtschaftung und der Jagdausübung konsequent berücksichtigt. Seit Februar 2006 ist das Bundesforstrevier Kaarz mit seinen Waldflächen im Kaarzer Holz nach dem international anerkannten und ökologisch sowie sozial anspruchsvollen Standard des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert!

Biotop- und Artenschutz

Für das Kaarzer Holz hat BUNDESFORST bereits im Jahr 1997 eine Waldbiotopinventur durchführen lassen und damit eine gute Grundlage für die Berücksichtigung des Biotop- und Artenschutzes bei der forstlichen Bewirtschaftung geschaffen. Dazu wurden umfangreiche Naturaldaten zur Naturnähe, Vielfalt und Seltenheit der Biotope erhoben, ausgewertet und u. a. auch kartographisch aufbereitet.
In jeder forstlichen Unterfläche wurden alle vorkommenden und auf der roten Liste stehenden Pflanzen- (Bäume, Sträucher, Kräuter,Gräser, Farne, Moose) und Tierarten (v. a. Vögel, Fledermäuse und Insekten) inventarisiert und Pflegevorschläge zu deren Erhalt oder Weiterverbreitung gemacht.
Markante und sonst eher seltene Tierarten sind im Kaarzer Holz zum Beispiel der Seeadler, der Fischadler, der Uhu, der Kranich und an der Warnow der Biber.


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